Nach all den Jahren, in denen du die Träume anderer wie Porzellan durch die Gegend getragen hast, während deine eigenen im Keller verstauben?
Ich verstehe dich. Dieser Klick auf Blau ist kein „Nein“. Er ist dein gewohnter Schutzreflex. Das ist die Stimme der Frau, die gelernt hat, dass es sicherer ist, unsichtbar zu bleiben. Die Frau, die den Müll rausbringt, während sie innerlich die Welt rettet, aber niemanden damit belasten will.
Du warst so lange:
Diejenige, die das letzte Stück Pizza liegen lässt, damit alle anderen satt werden.
Diejenige, die im Job lächelt und „Klar, mach ich noch“ sagt, während zu Hause die Trümmer deines eigenen Lebens warten.
Die stille Beobachterin, die genau sieht, wie falsch das Spiel der anderen ist, aber sich selbst verbietet, mitzuspielen.
Du denkst, du bist nicht bereit auszubrechen?
Süße, du bist nicht „nicht bereit“. Du bist nur verdammt müde davon, die Heldin in einem Film zu sein, für den du nie das Drehbuch geschrieben hast.
Erinnerst du dich an das Gefühl, wenn dieser eine Song lief? Wenn Xavier sang: „Wann legst du deine Flügel an? Um sie prächtig auszubreiten...“
Hand aufs Herz, du: Wie oft hast du das im Auto laut mitgesungen und dabei gehofft, dass der Song recht hat?
Du hast deine Flügel nicht vergessen. Du hast sie nur ganz fest an dich gedrückt, damit du in den engen Flur deines Alltags passt, ohne überall anzuecken. Du hast dich klein gemacht, damit die anderen Platz zum Atmen haben.
Aber „Volle Kraft voraus“ funktioniert nicht im Leerlauf. Und schon gar nicht, wenn du das Steuer immer anderen überlässt, damit sie sich groß fühlen können.
Du musst heute nicht fliegen. Aber du könntest aufhören, so zu tun, als hättest du keine Flügel.